Googles KI-Modus: Was er für kleine Firmen in der Schweiz bedeutet
Stand
Seit Oktober 2025 gibt es in der Google-Suche in der Schweiz einen zusätzlichen Reiter: den KI-Modus. Er beantwortet Fragen in ganzen Sätzen, nennt dabei auch Betriebe und setzt Links zu seinen Quellen. Für eine Malerin, eine Garage oder ein Treuhandbüro heisst das: Sucht jemand in deiner Gegend einen Betrieb wie deinen, steht dort vielleicht dein Name, vielleicht der deiner Konkurrenz.
Was der KI-Modus ist
Google hat den KI-Modus am 8. Oktober 2025 für Deutschland, Österreich und die Schweiz angekündigt, in der Schweiz auf Deutsch, Französisch und Italienisch [1]. Du erreichst ihn über google.com/ai, über den Reiter «KI-Modus» auf der Google-Suchseite oder in der Google-App [2]. Du bekommst eine ausformulierte Antwort und kannst nachfragen. Im Hintergrund zerlegt Google deine Frage in Unterthemen und sucht zu allen gleichzeitig [2].
Davon zu unterscheiden ist die «Übersicht mit KI», eine kurze Zusammenfassung neben den üblichen Treffern. Google blendet sie nur ein, wenn seine Systeme sie für eine sinnvolle Ergänzung halten, und nach eigener Aussage häufig nicht. Den KI-Modus rufst du selbst auf. Beide können mit unterschiedlichen Modellen arbeiten, darum unterscheiden sich Antworten und Links [3].
Laut IGEM-Digimonitor 2026 verwenden 77 Prozent der Internetnutzenden in der Schweiz zwischen 15 und 75 Jahren den «KI-Modus innerhalb der klassischen Suchmaschinen», gezielt auf KI-Plattformen suchen 57 Prozent [11]. Ob die Befragten Googles KI-Modus oder die Übersicht mit KI meinten, geht aus der öffentlichen Zusammenfassung nicht hervor.
So probierst du es selbst aus
- Öffne google.com/ai. Bist du angemeldet und hast den Suchverlauf eingeschaltet, kann Google die Antworten auf dich zuschneiden [2]. Für einen neutraleren Blick nimm ein privates Fenster ohne Anmeldung.
- Stell die Frage so, wie deine Kundschaft sie stellen würde, mit Ort und Anlass. Zum Beispiel: «Mein Auto muss im November zur MFK. Welche Garage in Luzern prüft es vorher?» Lass deinen Firmennamen weg, sonst erfährst du nur, ob Google dich kennt.
- Schau, wer genannt wird, und öffne die Links zu den Quellen. Google rät selbst, wichtige Angaben über diese Links und weitere Suchergebnisse zu prüfen [2].
- Stell dieselbe Frage in zwei, drei Varianten und an einem anderen Tag noch einmal, auch das empfiehlt Google [2]. Eine einzelne Antwort ist eine Momentaufnahme.
- Frag zum Schluss direkt: «Was weisst du über [deine Firma] in [deinem Ort]?» Stimmen Adresse, Leistungen, Öffnungszeiten? Wenn nicht, können die verlinkten Quellen zeigen, woher die falsche Angabe stammt.
Woher der KI-Modus seine Angaben nimmt
Laut Google stützt sich der KI-Modus auf den Suchindex und dieselben Ranking-Systeme wie die normale Suche [4]. Eine Seite kann nur als Link erscheinen, wenn Google sie indexiert hat und in der Suche mit einem Textauszug zeigen darf [3]. Antworten können Angaben zu lokalen Betrieben enthalten, dafür verweist Google auf das Unternehmensprofil. Auch was in Blogs, Videos und Foren über Dienstleistungen gesagt wird, kann einfliessen [4].
Standardmässig ist jede Website für den KI-Modus freigegeben. Seit dem 31. August 2026 lässt sich das in der Google Search Console abschalten [5].
Am 28. September 2026 haben wir den KI-Modus für eine Garage in der Region Luzern gemessen, in zwei Durchgängen mit je acht Fragen [12]. In 10 von 16 Antworten führte er Garagen mit Sternschnitt und Anzahl Bewertungen auf. In 13 von 16 Antworten verwies er auf Google-eigene Suchansichten, zusammen 56 Mal. Die Website der Garage war je Durchgang in zwei Antworten Quelle, local.ch in keiner. Perplexity stützte sich bei denselben Fragen in 6 von 8 Antworten auf local.ch. Das ist eine einzige Firma an einem Tag und zeigt höchstens eine Richtung.
Was du heute tun kannst
Das Google-Unternehmensprofil pflegen
Google rät in seiner Anleitung zu den KI-Funktionen, die Angaben im Unternehmensprofil aktuell zu halten [3]. Ein Profil ist für Betriebe gedacht, bei denen während der Geschäftszeiten persönlicher Kundenkontakt stattfindet oder möglich ist, reine Onlineangebote sind ausgeschlossen [6]. Prüfe Adresse, Öffnungszeiten samt Sonderöffnungszeiten, Kategorie und Fotos. Betriebe mit vollständigen und korrekten Angaben werden laut Google in der lokalen Suche von Maps und Google eher angezeigt [7]. Ob das im KI-Modus genauso wirkt, sagt Google nicht.
Bewertungen sauber einholen
Bitte deine Kundschaft nach einem erledigten Auftrag um eine Bewertung, etwa mit einem Link oder QR-Code aus deinem Profil [8]. Frag alle, nicht nur die Zufriedenen. Google verbietet, gezielt um positive Bewertungen zu bitten, Rabatte oder Gratisleistungen dafür anzubieten, Leute vor Ort unter Druck zu setzen oder Inhalte vorzugeben. Bewertungen von Angestellten oder der Familie gelten als Interessenkonflikt und werden entfernt [9]. Antworte auf Bewertungen, auch auf kritische, kurz und sachlich [8].
Dazu kommt das Schweizer Recht. Das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verbietet unrichtige oder irreführende Angaben über den eigenen Betrieb und die eigenen Leistungen (Art. 3 Abs. 1 lit. b). Selbst geschriebene oder gekaufte Bewertungen können darunter fallen. Vorsätzliche Verstösse sind auf Antrag strafbar, bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe, und den Antrag kann auch ein betroffener Mitbewerber stellen (Art. 23 und 9) [10]. Das ist keine Rechtsberatung.
Eine eigene Seite je Leistung und Ort
Streichst du Fassaden, machst Gipserarbeiten und renovierst Treppenhäuser, bekommt jede dieser Leistungen eine eigene Seite auf deiner Website, mit dem Ort oder der Region, in der du arbeitest. Schreib dort, was eine Kundin vergleichen will: ungefährer Preisrahmen, Einzugsgebiet, Erfahrung, Referenzen. Und zwar als Text, nicht nur als Bild oder PDF, denn Google zählt Inhalte in Textform zu den Grundlagen [3]. Seiten für jede denkbare Suchvariante sind laut Google keine gute Strategie, massenhaft erzeugte Seiten wertet es als Spam [4]. Eine Seite pro Leistung, die du wirklich anbietest, reicht.
Aus unseren Messungen mit ChatGPT, Gemini, Claude und Perplexity (ohne KI-Modus): Bei zehn Schweizer Kleinfirmen wurde die Firma in 56 von 62 Antworten genannt, in denen ihre eigene Website als Quelle vorkam, sonst in 21 von 173 [13]. Beides tritt oft zusammen auf. Eine Ursache ist damit nicht bewiesen.
Die Einträge auf den Portalen deiner Branche prüfen
Sieh nach, ob dein Betrieb auf local.ch und search.ch richtig steht und auf dem Portal, das in deiner Branche zählt: treatwell.ch oder salonkee.ch für Coiffeure, Offertenportale für Handwerker, das Mitgliederverzeichnis deines Verbands. Google zählt für die lokale Suche auch die Zahl der Websites, die auf einen Betrieb verweisen [7]. Und deine Kundschaft fragt nicht nur Google: Bei ChatGPT, Gemini, Claude und Perplexity war local.ch in unseren Messungen in 77 von 255 Antworten eine Quelle [13].
Was du dir sparen kannst
Laut Google braucht der KI-Modus keine besondere Optimierung [3]. Ausdrücklich nicht nötig sind eine llms.txt-Datei oder andere Spezialdateien, besonderes Schema-Markup, Texte in kleine Häppchen zu zerlegen und jede Suchbegriff-Variante abzudecken. Künstlich erzeugte Erwähnungen im Netz helfen laut Google weniger, als es scheint [4]. Bietet dir jemand genau das als KI-Optimierung an, frag nach dem Beleg.
Was niemand garantieren kann
Google hält fest, dass auch eine Seite, die alle Anforderungen erfüllt, nicht sicher angezeigt wird [3], und dass sich eine bessere lokale Platzierung nicht einfordern lässt, auch nicht gegen Bezahlung [7]. Der KI-Modus liegt nach Googles eigener Aussage nicht immer richtig [2]. Und er schwankt: Bei sieben Fragen ohne Firmennamen nannte er die Garage aus unserer Messung im ersten Durchgang einmal, im zweiten am selben Abend nicht mehr [12].
Für keinen der Schritte oben gibt es bisher einen Vorher-nachher-Nachweis, dass er eine Nennung auslöst, auch nicht aus unseren eigenen Messungen. Sie sind trotzdem ein vernünftiger Anfang, weil Profil und Bewertungen auch in Maps und der normalen Suche zählen [7]. Wer dir verspricht, dass dich der KI-Modus danach nennt, verspricht etwas, das er nicht in der Hand hat. Laut Google hat kein Drittanbieter Zugriff auf seine internen Ranking- oder KI-Systeme [4].
Was Plaudit dazu misst
Auch Plaudit hat keinen Zugriff auf Googles Systeme. Es stellt dem KI-Modus, ChatGPT, Gemini und Perplexity Fragen, wie deine Kundschaft sie stellt, und zeigt dir die Antworten im Wortlaut: ob deine Firma genannt wird, wer sonst, und auf welche Quellen sich die Antwort stützt. Wiederholst du die Messung, siehst du, ob sich etwas verändert.
Quellen
Alle Webquellen abgerufen am 29.09.2026, Wortlaut direkt an der Seite gelesen (kein Suchmaschinen-Schnipsel).
- Google Blog (Hema Budaraju, Vice President Product Management Search): «Der KI-Modus startet in Deutschland, Österreich und der Schweiz», 08.10.2025. https://blog.google/intl/de-de/produkte/suchen-entdecken/ki-modus-startet-in-dach/ (abgerufen 29.09.2026)
- Google Suche-Hilfe: «Mit dem KI-Modus in der Google Suche KI-basierte Antworten erhalten». https://support.google.com/websearch/answer/16011537?hl=de (abgerufen 29.09.2026)
- Google Search Central: «KI-Funktionen und deine Website», zuletzt aktualisiert 31.12.2025 (englische Fassung 10.12.2025). https://developers.google.com/search/docs/appearance/ai-features?hl=de (abgerufen 29.09.2026)
- Google Search Central: «Website für generative KI-Funktionen in der Google Suche optimieren», zuletzt aktualisiert 15.07.2026. https://developers.google.com/search/docs/fundamentals/ai-optimization-guide?hl=de (abgerufen 29.09.2026)
- Search Console-Hilfe: «Freigabe von Inhalten für generative KI in der Google Suche managen». https://support.google.com/webmasters/answer/16908024?hl=de (abgerufen 29.09.2026)
- Google Unternehmensprofil-Hilfe: «Richtlinien zur Berechtigung und Inhaberschaft für Unternehmen». https://support.google.com/business/answer/13763036?hl=de (abgerufen 29.09.2026)
- Google Unternehmensprofil-Hilfe: «Ranking in lokalen Suchergebnissen auf Google verbessern». https://support.google.com/business/answer/7091?hl=de (abgerufen 29.09.2026)
- Google Unternehmensprofil-Hilfe: «Tipps für mehr Rezensionen». https://support.google.com/business/answer/3474122?hl=de (abgerufen 29.09.2026)
- Google Maps, Richtlinien für Nutzerbeiträge: «Verbotene und eingeschränkt zulässige Inhalte», Abschnitt «Manipulation von Bewertungen». https://support.google.com/contributionpolicy/answer/7400114?hl=de (abgerufen 29.09.2026)
- Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), SR 241, Stand 01.01.2025 (laut Fedlex-Datenbank die jüngste Fassung am Abruftag), Art. 3 Abs. 1 lit. b, Art. 9, Art. 23. https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1988/223_223_223/de (Wortlaut gelesen in der Fedlex-Ablage https://www.fedlex.admin.ch/filestore/fedlex.data.admin.ch/eli/cc/1988/223_223_223/20250101/de/html/fedlex-data-admin-ch-eli-cc-1988-223_223_223-20250101-de-html-1.html, abgerufen 29.09.2026)
- IGEM und WEMF: «Zusammenfassung Studie IGEM-Digimonitor 2026, Mediennutzung Schweiz», Medienmitteilung Zürich 25.08.2026; Online-Befragung durch Intervista, März bis April 2026, n = 1'957, repräsentativ für die internetnutzende Bevölkerung von 15 bis 75 Jahren. https://www.igem.ch/wp-content/uploads/Zusammenfassung-Studie-IGEM-Digimonitor-2026_Mediennutzung-Schweiz.pdf (abgerufen 29.09.2026)
- Eigene Messung Plaudit, Garage in der Region Luzern, Läufe 30 und 31 vom 28.09.2026 (18.40 und 20.02 Uhr), je 8 Fragen an Googles KI-Modus, davon 7 ohne Firmennamen. Ausgezählt am 29.09.2026. Die Messdaten sind nicht öffentlich.
- Eigene Messung Plaudit, zehn Schweizer Kleinfirmen (Maler, Physiotherapie, Schreinerei, Veloservice, Coiffeur, Treuhand, Garage, Rösterei), Läufe 2 bis 6 vom 11.09.2026 und 25 bis 29 vom 25.09.2026, Systeme ChatGPT, Gemini, Claude, Perplexity, je Frage und System eine Antwort. Ausgezählt am 29.09.2026. Die Messdaten sind nicht öffentlich.